Individuelles Gedenken auch in München – Stolpersteine auf öffentlichem Grund zulassen!

Der BA 8 möge Folgendes beschließen:
Der Oberbürgermeister sowie die Mitglieder des Stadtrates werden gebeten,
eine Grundsatzentscheidung zugunsten der Verlegung von Stolpersteinen auf
öffentlichem Grund der LH München herbeizuführen und eine Aufhebung des
Stadtratsbeschlusses Vorlagen-Nr. 02-08 / V 04529 zu beschließen. Laut der
„Initiative Stolpersteine für München e.V.“ wurden im 8. Stadtbezirk bereits
drei Stolpersteine gespendet, für die Familie Hilda (geb. 25.11.1895), Ernst
(geb. 21.06.1895) und Liselotte (geb. 07.02.1927) Abeles, ehemals wohnhaft
in der Geroltstraße 37. Allesamt deportiert am 20.11.1941 und ermordet am
25.11.1941 in Kausas, Litauen. Der BA 8 wünscht sich, dass individuelles
Gedenken an die Naziopfer auch in München in dieser Form endlich möglich
wird – dass diese Gedenksteine endlich auf öffentlichen Grund verlegt
werden dürfen und an die Opfer dort erinnern wo sie einst wohnten.

Begründung:
Im Jahr 2004 hat sich der Stadtrat gegen die Verlegung von „Stolpersteinen“
auf öffentlichem Straßengrund ausgesprochen. Mittlerweile jedoch wurden in
mehr als 600 Städten und Gemeinden in Deutschland sowie im Ausland (u.a.
in Polen, Italien, Ungarn, Österreich, etc.) mehr als 26.000 Stolpersteine
verlegt, allein in Hamburg gibt es bereits rund 3.000 dieser Gedenksteine.
Die LH München hingegen ist die einzige Großstadt in Deutschland, die sich
vehement dieser Form des Gedenkens an die Opfer des Nationalsozialismus
verweigert. Diese Position gilt es endlich zu überdenken.
„Stolpersteine“ sind 10 x 10 cm große auf Pflastersteinen angebrachte
Messingplatten, in welche die Namen und persönlichen Daten von Opfern des
Nationalsozialismus eingraviert sind. Sie werden auf dem Gehweg vor den
früheren Wohnhäusern der Deportierten und Ermordeten verlegt und
gedenken ihrer, seien es Juden, Sinti oder Roma, Kommunisten,
Sozialdemokraten, Homosexuelle, Behinderte oder andere durch die
Nationalsozialisten verfolgte Gruppen und Individuen. Das Projekt

„Stolpersteine“ wurde 1993 von dem Bildhauer Gunter Demnig initiiert, im
Jahre 2005 erhielt er dafür das Bundesverdienstkreuz. Das Besondere an den
„Stolpersteinen“ ist, dass sie die Erinnerung an die Opfer individualisieren
und an Einzelschicksale in der unmittelbaren Umgebung erinnern. Somit
steht hierbei keine abstrakte Zahl an Opfern derer als Kollektiv gedacht wird
im Vordergrund, vielmehr wird dem einzelnen Menschen mit seinem Namen
gedacht. Eingedenk mit dem jüdischen Sprichwort: „Ein Mensch ist erst
vergessen, wenn sein Name vergessen ist!“.

Die Bedenken die oftmals gegen die Verlegung von Stolpersteinen
vorgebracht werden, dass diese mit Füßen getreten und beschmutzt werden
könnten, müssen ernst genommen werden. Dabei gilt es aber auch zu
bedenken, welche Wirkung von diesen Steinen ausgeht.
Wer unerwartet auf diese Messingplatten stößt, bleibt stehen, bückt sich und
liest die Namen sowie die Geburts- und Todesdaten einer Frau, eines Mannes oder die eines Kindes.

Man erinnert sich ihrer vor deren letzten selbst gewählten Wohnort, bevor sie
verschleppt und in Konzentrationslagern ermordet wurden. Erinnerung ist vielfältig und jedwede Form des Gedenkens wird oftmals kontrovers diskutiert. Auch ein Mahnmal, ein Gedenkstein oder eine Tafel kann vor menschenverachtenden Schmierereien nicht vollends geschützt werden.

Unser OB, Christian Ude hat in seinem Vorwort zum Biographischen
Gedenkbuch der Münchner Juden 1933-1945 Willie Glaser so trefflich zitiert: ´Wir sind alle Hüter eines besonderen Erbes. Wir haben eine moralische Verpflichtung und einen geheiligten Auftrag, die Erinnerung an die Fürther Opfer der Shoa aufrechtzuerhalten. Wir sind das Gewissen der Geschichte`. Und, so Ude weiter: „Diese Worte gelten auch für uns Münchner.“
Diese Worte gelten auch für uns Münchner und es gibt zahlreiche Hinterbliebene und Nachkommen der Opfer, die sich einen Stolperstein als Form des Gedenkens für ihre ermordeten Verwandten wünschen. Daher kann und darf sich die Stadt München diesem Wunsch nicht länger verweigern!

 

(der Antrag wurde vom BA8 im Januar 2011 angenommen)

Donnerstag, 21. Februar 2019
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